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Königliche Erbschaftssteuer (23)


Der Unternehmer begab sich sodann auf die Suche nach seinen Kinderlein, die noch immer in ihrem Dornröschenschlaf verweilten. In der Unternehmensnachfolge waren finanzielle Sorgen wie Pflichtteil und Erbschaftsteuer erst einmal vergessen. Er suchte links, er suchte rechts, und umher, aber fand weder den Hänsel, noch die Gretel. Nach einigen Wochen, in denen er immer wieder vergeblich unterwegs war, sandte er seine Gastarbeiter, die Sieben Zwerge, aus, um nach den Geschwistern zu suchen.

Doch die kleinen Kerle hatten nichts Besseres zu tun, als zu ihrem Schneewittchen hinter den sieben Bergen zu reisen, und interessierten sich herzlich wenig für die Unternehmensnachfolge und das Auffinden von Hänsel und Gretel. Sie vermissten das schöne Mädchen schließlich sehr, das nach dem Genuss eines Gen-manipulierten Apfels noch immer nicht recht gesund war. Also blieb dem Unternehner nichts anderes übrig, als auf eine Nachricht über den Verbleib seiner Kinderchen zu warten – ganz krank wurde der arme Unternehmer, so dass es im Märchenland die Runde machte, er würde wohl bald dahinscheiden.

Und so ritt eines Tages ein Königssohn durch den Wald, um alle Formalitäten zu regeln und sich die Erbschaftssteuer zu sichern. Der Jüngling, verwöhnt wie er war, schien das lange Reiten nicht gewohnt und suchte nach einem Ruheplatz. Da erblickte er die Geschwister, wie sie friedlich unter einem Baum schliefen. “Die Faulpelze”, dachte er, “schlafen am hellichten Tag, als wären sie Königskinder, die das Arbeiten nicht nötig haben. Gerade, da wir uns aktuell inmitten einer Wirtschaftskrise befinden, die laut des weltberühmten Zauberers und Wahrsagers Dr. Doubini mindestens die nächsten drei bis fünf Jahre anhalten wird. Ich bin nicht amüsiert.”

Unternehmensnachfolge

Bei der Erbschaftssteuer ist auch im Märchen keine Zeit für einen Dornröschenschlaf

Als der Königssohn näher und näher kam, gefiel ihm die schlafende Gretel jedoch so sehr, dass er sie unbedingt wachküssen wollte. Wie oft hatte ihm seine Mutter erzählt, wie sie einst von seinem Vater wachgeküsst worden war, nachdem sie der Fluch einer bösen Fee beinahe hundert Jahre hätte schlafen lassen. Ob  auch das schöne Mädchen einem schlechten Zauber zum Opfer gefallen war? Der jungen Mann kniete nieder und küsste das Mädchen mit sanft gespitzten Lippen.

Da erwachte Gretel, und hatte vor Schreck nichts Besseres zu tun, als dem Jüngling eine kräftige Ohrfeige zu verpassen. “Eine junge Frau ungefragt zu küssen, auch noch am hellichten Tage. Das geziemt sich nicht, mein Herr! Aber, wer seid ihr überhaupt?” — “Ich bin der Märchenprinz”, sprach dieser und setzte sich neben das Mädchen, derweil ihr Bruder nach wie vor fest schlief. “Mein Stiefvater, der Froschkönig, schickt mich zum Unternehmer und Inhaber der Knusperhäuschen GmbH. Den alten Mann hat der Lebensmut verlassen, nachdem ihm seine Kinder abhanden gekommen sind. Nun liegt er im Sterben. Da ist es nur gut und recht, wenn ich nach seinem Ableben die Erbschaftssteuer eintreibe.”

Voller Wut stieß das Mädchen ihren Traumprinzen von sich, da ihr der Vater trotz allem lieb und teuer war. Der Prinz, der nicht wusste, wie ihm geschah, zeterte noch eine Weile, ehe er in seinem königlichen Stolz von dannen zog.

“Wie bekomme ich nur den Hänsel wach?”, überlegte das Mädchen. “Küssen will ich ihn auf keinen Fall!” Da erinnerte sie sich seiner Achillesverse, an der er so arg kitzelig war. “Davon muss er doch aufwachen”, dachte Gretel und fing an, ihren Bruder zu kitzeln. Tatsächlich wachte der Bursche nach kurzer Zeit auf.

Lesen Sie im nächsten Teil, wie es mit Hänsel, Gretel und dem Unternehmer in der Unternehmensnachfolge weitergeht. Wird das Unternehmen über ausreichend Liquidität im Erbfall verfügen?

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